Öffentliches Statement zur HINT 2019

Am Wochenende 01. bis 03.11.19 hat die Hamburger inter / nicht binär / trans Tagung (HINT) stattgefunden.

Ich habe dort einen Workshop veranstaltet, der sehr nett war mit angenehmen Gästen. Vielen Dank euch!
An die Person, die sich sehr genau das Schnittmuster meines selbst entworfenen Harnesses abfotografiert hat – vorher fragen wäre in dem Fall toll gewesen.
Mein Workshop steht nach wie vor falsch im Programm. Der Workshop hieß “Sextoy-Workshop”.
Meines Wissens nach wurde an mich ein Preis für meinen Aktivismus verliehen. Ich war bei der Preisverleihung nicht anwesend und weiß nicht mehr dazu.

Hintergrund zu meiner Position:
Ich kenne einige Personen aus der HINT-Orga mehr oder weniger gut persönlich.
Ich habe keine Einblicke in die Orga-Arbeit und deren Diskussionen. Ich war lediglich zu meinem Workshop bei der Veranstaltung und habe deshalb sehr wenig selbst mitbekommen. Ich habe mit ein paar Leuten gesprochen, die wenig oder mehr teilgenommen haben.
Ich habe wenige Worte mit Teilen der Orga gewechselt.
Ich habe der Orga ein ähnliches Statement per Mail geschrieben und darauf verschiedene Antworten bekommen.
Ich kann nur schreiben, was ich wahrnehme und wahrgenommen habe und was sich mir fragmentarisch aus verschiedenen Gesprächen erschlossen hat.
Ich schreibe die Orga als Gesamtorga an, es kann sein, dass ich damit interne Diskussionen übergehe und Sachen nicht adäquat wiedergebe.
Ich schreibe aus einer inter*-solidarischen Position. Ich bin selbst nicht inter*.

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An dieser Stelle kommt mein öffentliches Statement, weil ich erschüttert und enttäuscht von der HINT bin und mich gerne zumindest im Nachhinein solidarisch zeigen möchte.

Mein Statement richtet sich kritisch an die HINT-Orga als Gruppe. Eine verantwortungsvolle Aufarbeitung muss die Orga für sich machen.

Mein Statement richtet sich solidarisch an alle, die von den Entscheidungen der HINT-Orga verletzt, ausgeschlossen und/oder nicht gesehen wurden.

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Ich habe erfahren, dass eine Ärztin als Referentin zur HINT eingeladen wurde, die Operationen an nicht einwilligunsfähigen intergeschlechtlichen Kindern durchführt.

Meines jetzigen Wissens nach wurde das Orga-Team vorab darüber informiert, hat sich aber dennoch entschieden, die Ärztin nicht auszuladen, sondern teilnehmen zu lassen.

Meines jetzigen Wissens nach haben Aktivist_innen ihre Teilnahme abgesagt oder sind nicht erschienen.

Das bedeutet, dass die Anwesenheit einer inter* Kinder operierenden Ärztin der Orga wichtiger war als die Anwesenheit von inter* Aktivist_innen bzw. Menschen, die solidarisch zu inter* Themen arbeiten.

Das schockiert mich zutiefst. Das darf in unseren Communities nicht passieren.
Das ist ein krasses Versagen der HINT gegenüber den inter* Communities.

Operationen an nicht einwilligungsfähigen Kindern sind eine Menschenrechtsverletzung.

Die OPs sind nicht überlebensnotwendige Eingriffe in Körper von Kindern, die über diese Eingriffe nicht selbst entscheiden können. Das ist ein ganz krasser Machtmissbrauch innerhalb unseres Zweigeschlechtersystems. Dieses System wird gewaltvoll an den Körpern von Kindern hergestellt.

Die Beendigung von Operationen an Kindern ist eine der zentralen Forderungen von inter* Communities. Hier ein Beispiel.

Ich verlange, dass eine Tagung, die unter anderem für intergeschlechtliche Personen da sein will und “inter” ja auch in ihrem Namen trägt, solidarisch mit den Themen der inter* Communities ist.
Ich verlange, dass nicht-intergeschlechtliche trans*queere-nicht binäre Communities solidarisch mit den Themen der inter* Communities sind.
Sonst versagen wir.

Die Zusammenarbeit zwischen inter* und trans* Communities ist seit vielen Jahren immer wieder schwierig und bedarf besonderer Umsicht und Reflektionsfreudigkeit seitens der trans* und queeren Communities, weil trans* Personen immer wieder Räume und Themen vereinnahmen, ihre zahlenmäßige Dominanz nicht oder zu wenig reflektieren und sich nicht oder zu wenig mit inter* Politiken beschäftigen.

Die HITT als Vorgängerin der HINT hat gezeigt, dass es viel Arbeit braucht, um eine Tagung zu organisieren, die verschiedene Communities und deren Interessen mit einschließen kann und wo die Fallstricke liegen. Dass das ein langes Projekt ist, das nur gemeinsam geht. Darauf hätte weiter aufgebaut werden können.

Ich sehe für die HINT nicht, dass sich hier ausreichend informiert wurde.
Ich sehe nicht, dass die HINT eine belastbare inter*-solidarische Position für sich ausgearbeitet hat.

Das kritisiere ich und das macht mich wütend.

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Ich habe nach der Durchführung meines Workshops erfahren, dass ich einen Preis für meinen Aktivismus bekommen sollte. Da ich nicht bei der Preisverleihung war, kann ich dazu nichts weiteres sagen. Ich wurde nicht schriftlich informiert, ob dieser Preis verliehen wurde oder nicht.

Ich kann und möchte vor dem Hintergrund des oben Geschriebenen diesen Preis nicht annehmen.

Das steht meinem Aktivismus und meinen Überzeugungen und Kämpfen absolut entgegen.

Ich bin solidarisch mit den Kämpfen und Themen aus inter* Communities.

Ich kann an dieser Stelle außerdem nicht anders, als mich als Token benutzt zu fühlen, um die Diversität und Offenheit der Tagung widerzuspiegeln.

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Ich möchte um Entschuldigung bitten bei der Orga, allen Teilnehmenden und mir selbst, dafür dass ich nicht schon während meiner Anwesenheit nachgeforscht und klar reagiert habe, das wäre so wichtig gewesen. An dem Tag war mir das nicht möglich. Das nehme ich als mein persönliches Versagen in der Situation mit und daraus lerne ich. 

Ich hatte bei der Anfrage an mich zu der Tagung gefragt, ob genug inter* Personen im Programm sind. Das wurde mir zugesichert und war für mich die Voraussetzung für meine Zusage.

Ich nehme mit, dass es sinnvoll ist, die Beitragenden einer Tagung genau zu prüfen und gegebenenfalls im Vorfeld mit der Orga in Diskussion zu gehen oder wieder abzusagen.
Das weiß ich auch eigentlich! Hier habe ich es leider nicht gemacht. Das tut mir sehr leid.

Ich nehme mit, dass ich bei eingeschränkter Gesundheit meine Teilnahme gegebenenfalls absage, weil ich nicht mehr in der Verfassung bin, solidarisch zu sein und wenn nötig zu streiten. Auch das weiß ich eigentlich und auch das bin ich hier einfach übergangen.

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Ich hoffe, dass die Orga Lust darauf hat, aus dem Geschehenen zu lernen und sich in ihren Prozessen weiterzubewegen.

Fehler passieren. Das ist so und wird auch immer wieder so sein.

Ich finde es wichtig, sich dazu zu verhalten und verantwortlich zu sein. Das ist schmerzhaft und nicht einfach, bringt aber immens weiter.

Ich wünsche mir von der Orga, dass jetzt erstmal alle Abers und Abwehrgedanken zurückgehalten werden, dass die Kritik gehört und mit der Zeit angenommen werden kann. Hinweise und Kritik aus unseren Communities sind toll und immer eine Möglichkeit weiterzulernen.

Ich möchte nicht in interne Diskussionen einbezogen werden. Das ist nicht mein Aufgabenbereich.

Mein Statement kann weitergeleitet werden.

Weiterlesen: IVIM / OII Deutschland

 

Joke Janssen, November 2019, Hamburg

 

Vielen Dank an G und M für Euer Gegenlesen und Eure Anmerkungen!

 

10 Jahre Testo

So! Im Juni 2019 hatte ich 10 Jahre Testo Jubiläum auf Niedrigdosis, und dazu bekommt ihr jetzt einen längeren nswf und tmi Text. 😀

Der folgende Text benennt Körperdinge, sexuelle Dinge, Körperveränderungen auf Testosteron, inklusive genauerer Beschreibungen von Genitalveränderungen. Überlegt euch, ob ihr das lesen möchtet. 🙂

Ich dachte, ich teil mal. Ich nehme Testo auf Niedrigdosis (microdosing), weil es für mich und mein Körpergefühl super funktioniert, ich das Gefühl habe, möglichst große Kontrolle über meine Hormoneinnahme zu haben und weil ich mit hormoneller Unterstützung von trans*queerer Körperlichkeit (nicht männlich, nicht weiblich; wahrscheinlich könnt ihr auch nb sagen) herumexperimentiere. Und das ist ja vielleicht interessant nachzulesen.
Disclaimer dazu: Alle Körper sind toll und alle Geschlechter sind Definitionssache! Ich benutze keine normativen biologischen Definitionen, für mich sind Körper mit oder ohne zusätzliche Gabe von Hormonen genau das, was sie sein sollen. Ich persönlich habe mich für Hormone entschieden.

Ich schreibe also dazu, wie ich mich körperlich verändert habe und wie ich das wahrnehme. Ich versuche außerdem, andere Aspekte reinzuschreiben, die was mit der Wahrnehmung meines Geschlechts durch andere zu tun haben.

Ich habe eine Hysterektomie hinter mir ohne Entfernung der Eierstöcke (2009?), d.h. da werden also auch noch Hormone produziert.

Ich bin weiß, inzwischen nicht mehr ganz jung (Ende 30, werde auf Ende 20 bis Mitte 30 geschätzt), ich bin schlank und groß (überdurchschnittlich groß für unsere Normvorstellungen von Frauen, das beeinflusst natürlich auch die Wahrnehmung meines Geschlechts).
Seit mehreren Jahren mache ich wieder vermehrt Sport, dadurch ist mein Körper muskulöser geworden, vor allem sind meine Schultern durch den Sport breiter geworden und ich hab mehr Arsch, hell yeah. 😀
Ich bewege mich eher feminin und kleide mich in femininer Männerkleidung. Auch das führt zu einer bestimmten Lesart meines Körpers im Raum.

Ich hab vor 10 Jahren unter Aufsicht meiner Hausärztin und ohne Endokrinolog_in mit Testogel angefangen, bis letztes Jahr hab ich diese silbernen Beutel benutzt (ich glaube zuerst die mit dem Schützen drauf, später Bayer?), nachdem es dort Lieferschwierigkeiten gab, nehme ich jetzt was aus einer Pumpflasche (Kade). Ich hatte großes, großes Glück mit meiner Hausärztin, weil sie bereit war, mich ausprobieren zu lassen und lediglich die Hormonwerte und mein allgemeines Wohlbefinden ärztlich zu begleiten. Ich bin ca. 4 mal im Jahr zum Hormontest und bewege mich zwischen Testo-Werten von 3,5 und 5,5 pg/ml (Pikogramm/Milliliter; Blutabnahme), meistens bin ich aber bei 4er-Werten. Das heißt ich bewege mich am unteren Ende der medizinischen Normwerte für Männer in meinem Alter.
Disclaimer: Normwerte – fuck them. Das ist rassistischer, sexistischer, normativer Müll und ich sag’s hier nur einmal als Anhaltspunkt.

Ich habe meine Testo-Dosis immer meinem Gefühl zu meinem Körper angepasst, nach oben habe ich aufgehört, wenn ich das Gefühl hatte, zu aufgeregt/schwitzig zu werden, nach unten, wenn ich (wahrscheinlich zyklisch bedingten) Ausfluss bekommen habe, was ich überhaupt nicht mag. Ich habe außerdem Depressionen, die merke ich auch mehr, wenn ich weniger Testo nehme. Allgemein habe ich inzwischen ein relativ gutes Gefühl zu meinem Körper auf Hormonen, d.h. ich merke meistens irgendwann selbst, wenn ich meine Dosis etwas anheben oder etwas senken sollte.

Ich habe über die Jahre viel rumprobiert und immer wieder meine Dosis geändert.
Die Dosis selbst lässt sich nicht 100%ig stabil einteilen, so wie ich das mache, d.h. meine Werte schwanken.

Angefangen habe ich relativ klassisch mit 25 mg-Beuteln täglich, auf die Oberarme verteilt, das hab ich ‘ne Weile gemacht. Die Veränderungen waren schnell spürbar: Als erstes und relativ früh leichte Vergrößerung der Klit, dann mit der Zeit Stimmbruch und etwas mehr Haare, stärkere Beinbehaarung, ein wenig mehr Bauch- und Brusthaare, relativ spät kleiner Bart.
Meine Brüste sind etwas kleiner geworden, fand ich bei einer C-Größe allerdings eher nicht merkbar.
Allgemein war ich emotional besser drauf.
Ich hatte einen Anstieg der Libido und hatte mit vergrößerter Klit mit 30 das erste Mal einen klitoralen Orgasmus. Danke Testo dafür. 😉 (Aber auch danke an meine Hand.)
(Ich bin großer Fan von differenzierten Gründen: Zu meiner Orgasmusfähigkeit gehörten sicherlich auch Dinge wie: Mehr Ruhe im Leben, mehr Selbstbestimmung, mehr Lust, selbst was auszuprobieren, mehr Queerness und BDSM auf eine Art, die ich gut fand. Ich hatte auch vor Testo eine hohe Libido.)
Zu der Zeit hatte ich mein wahrscheinlich ungebrochenstes männliches Passing, d.h. ich wurde in den meisten Fällen als (junger, häufig unter 20) Mann angesprochen. (Ich werde nicht mehr als Jugendlicher gelesen, seit ich Mitte 30 bin und nun doch mal ein paar Falten habe, das ist ganz angenehm.)

Ich hab nach etwa 3(?) Jahren angefangen, die Dosis runterzuschrauben, weil ich bestimmte Aspekte nicht so gut fand, insbesondere hatte ich das Gefühl, sehr doll und unangenehm unter Strom zu stehen, viel zu schwitzen und mich generell “klebrig” zu fühlen.
Ich bin kein Mann und ungebrochen so gelesen zu werden hat mich gestresst, genau so wie mich ungelesenes weibliches Passing stresst.
Und hatte ich Angst um mein Haupthaar, I shit you not.

Ich bin umgestiegen auf 50 mg/5 g-Päckchen und habe dann sehr viele Jahre ein Päckchen auf 3-4 Tage verteilt genommen. Auf die Oberarme; die Menge lässt sich natürlich nicht genau bemessen.

Zu der Zeit ist mein Passing zurückgegangen; meine Klit war konstant auf der gleichen Größe, ich hatte einen leichten Kinnbart, meine Stimme hat sich auf einem Stand irgendwo dazwischen eingependelt.

Als es Lieferschwierigkeiten mit den silbernen Beuteln gab, habe ich eine Zeitlang die Dosis extrem runtergeschraubt, bis hin zu nahezu kein Testo mehr. Der Grund war zunächst nicht freiwillig, aber dann fand ich es interessant mal zu gucken, wie es mir nach längerer Zeit so gefällt nahezu ohne Testo-Zugabe.
Zu der Zeit wurde meine Stimme wieder heller und mein Passing ist sehr stark Richtung weiblich gegangen. Ich war allgemein schlechter drauf, sehr viel melancholischer und hatte ab und an Schmerzen im Unterleib, die ich als zyklisch bedingte Schmerzen einordnen würde.
Es hat mir nicht gefallen, ich hab das Produkt gewechselt und bin wieder hochgegangen mit der Dosierung.

Ich bin umgestiegen auf die Kade-Pumpflaschen und habe mich über mehrere Monate an eine Dosis rangetastet, die mir jetzt gut gefällt. Aktuell nehme ich ca. alle 4 Tage einen Hub. Laut Flasche ist ein Hub 1,25 g Gel mit einem Gehalt von 20,25 mg Testosteron. D.h. ich komme auf ca. 5 mg Testosteron täglich und damit die niedrigste regelmäßige Dosis in der ganzen Zeit.

Ich bin nicht ganz regelmäßig, ab und zu nehme ich auch erst am 5. oder sogar 6. Tag wieder Gel, das liegt daran wie es mit den äußeren Umständen so zusammengeht.
Diese kleinen Schwankungen merke ich nicht, nur eventuell ein Schwanken in der Stimme, wenn ich wirklich mal 6 oder mehr Tage nichts nehme.

Meine Einschätzung zu den Folgen:
Ich habe Bart, aber sehr wenig. Es bleibt seit Jahren konstant bei einem kleinen Kinnbart, kein Schnurrbart, kein Wangenbart, keine Koteletten.
Ich habe eher wenig Körperbehaarung, außer vielleicht an den Beinen. Es haben sich ein paar Haare an den Schultern eingestellt, warum auch immer.
Meine Klit bleibt bei ihrer Größe, relativ stabil. Sie ist größer als früher ohne Testo, aber nicht so groß wie die klassischen Bilder, die eins von Testo-Klits im Netz finden kann. Ich bin sehr zufrieden. 😉
Mein Körper ist wahrscheinlich immer noch eher feminin, ich hab wie früher ‘ne wahrnehmbare Taille und Hüfte und ich kann nicht sagen, dass ich eine Veränderung in meiner Körperfettverteilung bemerkt habe (was natürlich nicht heißt, dass es sie nicht gab).
Ich habe das Gefühl, dass ich etwas besser Muskeln aufbaue als früher.
Ich habe nicht das Gefühl, dass sich mein Körpergeruch verändert hat.
Meine Stimme ist irgendwo in so einem Zwischenbereich hängengeblieben. Manchmal finde ich das etwas anstrengend, weil es sich anfühlt wie ein nicht zu Ende gedachter Stimmbruch und ich z.B. nicht gut laut reden oder rufen kann (da würde aber sicherlich Stimmtraining helfen), meistens mag ich meine Stimme aber gerade dafür, dass sie so trans* ist. Gehört wird sie mal als männliche, mal als weibliche Stimme, außer Leute können trans* Stimmen hören, dann werde ich als trans* wahrgenommen.
Meine Vaginalflora ist super (wurde gerade erst von einer Gyn in die Höhe gelobt, tjaha!) und ich habe keine Probleme mit Trockenheit. (Auch hier kurzer Disclaimer: Körper sind sehr unterschiedlich, vaginale Trockenheit ist nichts Schlimmes, sie muss nicht unbedingt mit der Testomenge zusammen hängen, Gleitgel ist toll.)
Ich bin jetzt offensichtlich auf einer Dosis, auf der ich ab und zu etwas aus meinem Zyklus spüre, ich habe aber kein pms oder andere Mens-zugehörige Schmerzen.
Ich habe weiterhin Depressionen (da ist Testo ja nun auch nicht das Heilmittel, ne?), hab aber wieder ein Level, das sich okay anfühlt.
Ich hatte über die ersten Testo-Jahre das Problem, nicht weinen zu können, das legt sich aber gerade wieder. Auch da ist Testo nicht alleine für verantwortlich.
Akne ist bei mir nicht schlimm, tritt aber auf, immer mal wieder im Kinn-/Halsbereich. Die kommt auch leider immer wieder, wenn ich mit der Dosis rumexperimentiere…
Inzwischen hatte ich eine Mastektomie und meine Experimente mit Testo haben weder das OP-Ereignis noch das Ergebnis negativ beeinflusst.
Mein Passing ist jetzt wohl am ehesten da, wo ich es gerne hätte; ich weiß nicht mehr, wie ich gelesen werde. Manchmal als männlich, gefühlt in mehr Fällen allerdings weiblich, auch immer wieder sehr abhängig davon, mit wem und wo ich unterwegs bin. Ich habe den Eindruck, dass ich viel queer gelesen werde, also wenn weiblich, dann häufig lesbisch, wenn männlich, dann häufig schwul. Wahrscheinlich werde ich auch viel trans* gelesen. Ich errege in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit und werde viel komisch angeguckt bzw. beobachtet, aber nicht mehr so viel gefragt, ob ich ein Mann oder eine Frau bin, dass ist interessanterweise irgendwann in den 30ern weniger geworden, vermutlich hängt es auch mit meinem wahrgenommenen Alter zusammen und dem dazugehörigen Privileg, dass Leute Jugendlichen mehr reinreden. Vielleicht hab ich auch mein grumpy face verbessert. 😀

Meinem Haupthaar geht’s fantastisch.

Fazit: Ich freue mich, dass ich die Möglichkeit habe, da so selbstbestimmt ranzugehen und ich mag das Zwischenergebnis sehr. Ich habe das Gefühl, dass ich mit der Zeit eine sehr gute Selbsteinschätzung entwickelt habe. Große Schwankungen in der Dosis sind anstrengend und es hat lange gedauert, an eine gute Dosis zu kommen, aber für mich lohnt es sich.

Außerdem bin ich sehr dafür, möglichst selbstkontrolliert mit dem eigenen Körper umgehen zu können. 🙂

 

***Update Mai 2020***

Ich habe erfahren, dass meine Art, Testo zu nehmen, wahrscheinlich nicht so sinnvoll ist! (Danke  an F. für den Hinweis!) Wahrscheinlich ist es für den Körper angenehmer, eine stetige, tägliche Dosis zu bekommen, als eine alle paar Tage bzw. halt mit einem Abstand zwischen den Dosen.

Ich hab deshalb vor ca. 2 Wochen angefangen, jeden Tag eine sehr kleine Dosis Testo zu nehmen. Sehr klein: Aus der Pumpflasche ca. 1cm Gel. Ich hab mir noch nicht so viele Gedanken dazu gemacht, wieviel das jetzt in Menge sein könnte, sorry! Ich merke, dass ich eh schlecht bin mit Mengenangaben, da schaltet sich mein Kopf gerne mal aus. Ich bemerke auch bisher keine Veränderungen in meinem täglichen Empfinden.

Das muss aber nichts heißen, weil gerade Allergiezeit für mich ist und mein tägliches Empfinden sowieso Achterbahn spielt. Ich hab z.B. viele Schwankungen in meiner Stimme im Moment, sowohl tageweise als auch über Tageszeiten. Das könnte am Testo, könnte aber auch an den Pollen liegen. Ich hab natürlich das Testo auch schon vergessen an einzelnen Tagen. Ob die Auswirkungen auf meine Stimme dann daran lagen oder am Heuschnupfen, werde ich wahrscheinlich im Moment einfach nicht sagen können.

Die Vermutung war, dass so was wie Moodswings, Müdigkeit und Energielosigkeit sich eventuell mit einer täglich etwa gleich bleibenden Dosis etwas mehr auf einem konstanten Level anordnen.

Ich bemerke bisher keine Veränderungen in den testobedingten Zuständen meines Körpers. Das heißt wahrscheinlich, dass ich die tägliche Dosis im Vergleich zu vorher ganz gut eingeschätzt und übertragen habe, so dass es keine große Veränderung in der Gesamtdosis gibt.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es ist, wenn der Allergie-Mist mal durch ist.

Küsse reloaded

Diese beiden Blogtexte und die Diskussionen verfolgen mich seitdem. Ich bin damit nicht durch und würde gerne noch sehr viel dazu klären. Und es wird weiterhin Bezug auf die Texte genommen und zwar genau so, wie ich das nicht wollte…

Aber selbst Schuld: Ich habe auf eine sexuelle Orientierung verallgemeinert, obwohl ich über Verhalten in Räumen sprechen wollte. Das kommt natürlich zurück und: richtig so.

Deshalb hier: Sorry für die Verallgemeinerung „hetero“!

Ich hab mir letztlich damit ja auch selbst die Diskussion erschwert, weil es eben nicht um das ging, was ich gerne diskutieren wollte.

Also reminder to laufmoos: Wenn ich differenziert über was diskutieren will, muss ich auch von Anfang an differenziert schreiben.

Ich entschuldige mich für den unnötigen und undifferenzierten Kurzschluss.

Und alles, was mich nach wie vor an der Verhalten-in-Räumen-Debatte interessiert und was ich gerne diskutieren möchte, schreibe ich nicht hier und nicht jetzt, damit diese Debatte dann auch mal ruhen und damit dieser Post für sich stehen kann. Ich hab daraus viel gelernt, Gutes und Schlechtes, was ich für die nächsten, hoffentlich differenzierteren, Versuche mitnehmen kann. 🙂

Cis-Notizen

Es ist schon länger her, dass ich ein bisschen nach dem Aufkommen des Cis-Begriffs gesucht habe. Eigentlich wollte ich daraus eine Arbeit machen, dazu ist es aber nie gekommen. Die Infos liegen nun auf meinen Rechner rum und verschimmeln virtuell, deshalb pack ich sie hierhin, vielleicht können einige was damit anfangen. Sharing is caring und so (oder aber ihr kennt das sowieso schon). Ich werde den Textausschnitt nicht großartig bearbeiten, deshalb der etwas wissenschaftliche Stil und die teilweise veralteten sexualwissenschaftlichen Bezeichnungen. Sorry.

Note: Ich stehe nicht so auf Ursprungsmythen. Trotzdem hier die ersten Nennungen, die ich gefunden habe.
Ich vermute, dass es viele nicht dokumentierte „Erfindungen“ von Cis- als Bezeichnung gegeben hat, da sich cis- (diesseits) und trans- (jenseits) im Lateinischen nun mal gegenüberstehen.

Zur Prägung des Begriffes zirkulieren mehrere Herkunftsgeschichten. Gängig sind für die Schreibweise „cis“ der Verweis auf eine Äußerung Dana Leland Defosses (1994) in der alt.transgendered Newsgroup (Link) und auf eine Erklärung Carl Buijs‘ (1996) in der Newsgroup soc.support.transgendered (Link). Defosse nannte in einem Unterstützungsgesuch zu Forschungsarbeiten die „queer community and cisgendered people“ (1994), ohne den Begriff näher zu erläutern. Buijs gebrauchte den Begriff zunächst ebenfalls ohne Erläuterung, formulierte aber auf Nachfrage, den Begriff einfach erfunden zu haben, er sei für „non-T*people“ bzw. trage die einfache Bedeutung „non-trans = cis“ (1996).

Für den deutschsprachigen Kontext hat außerdem der Sexualforscher Volkmar Sigusch 1992 die Begriffe „Zissexualismus“ und „Zissexuelle“ vorgeschlagen, um die „geschlechtseuphorische Mehrheit“ (ebd. 138) als ebenso ungeklärt und untersuchungswürdig wie aus sexualforscherischer Sicht die Transsexuellen zu positionieren. Sigusch bezieht sich mit dem Begriff auch auf Magnus Hirschfeld (1914), der von einem Patienten berichtet, welcher sich selbst als Cisvestit bezeichnet habe (ebd. 169, hier der Link zur Seite).
[Eventuell kommt „zis“ schon in Siguschs Artikel „Die Transsexuellen und unser nosomorpher Blick“ von 1991 vor, hab ich aber nicht gelesen.]

Hirschfeld beschrieb die Cisvestiten als eigene Gruppe, deren Angehörige gerne bestimmte, meist berufsgebundene, Kleidung trugen — im Unterschied zu den Transvestiten, die die Kleidung des „anderen Geschlechts“ vorzogen. Cisvestitismus hat auch einen Eintrag in Ernst Burchards „Lexikon des gesamten Sexuallebens“ (1914; Eintrag: „Cisvestitismus, die Neigung, die Kleidung einer anderen Altersstufe, Volks- oder Berufsklasse des gleichen [im Original gesperrt] Geschlechts zum Zwecke sexueller Entspannung anzulegen, dem Transvestitismus verwandt (s. Verkleidungstrieb.“). Bei Sigusch hat die Bezeichnung des Zissexualismus das Ziel, die vermeintliche Krankhaftigkeit und Andersartigkeit der Transsexuellen zu hinterfragen und den pathologisierenden Blick der Sexualforscher_innen auf sich selbst und das eigene — meist unhinterfragte Geschlecht — zurückzuwerfen. Die Diskussionsteilnehmer_innen auf soc.support.transgendered, die auf die Frage nach der Bedeutung von Buijs‘ „cisgendered people“ (Buijs 1996) antworten, heben den Wunsch hervor, diejenigen, die nicht trans* sind, mit einem eigenen Wort zu benennen, um nicht bei nicht-trans* bleiben zu müssen.

Die erwähnten Texte sind:

Dana Leland Defosse (1994): transgender research
Carl Buijs (1996): Erklärung zum Begriff
Volkmar Sigusch (1992): Geschlechtswechsel, Hamburg.
Magnus Hirschfeld (1914): Die Homosexualität des Mannes und des Weibes, Berlin.
Ernst Burchard (1914): Lexikon des gesamten Sexuallebens, Berlin.